Klimawandel – ein studentisches Buchprojekt

Von 8. Mai 2019 Allgemein
Klimawandel - ein studentisches Buchprojekt

Am 16.04.2019 flatterte um 15.44 Uhr eine E-Mail in mein Postfach mit dem Betreff: Klimawandel – Studentisches Buchprojekt. Ein guter Betreff, zumindest für mich, da ich bei Wörtern wie „Klimawandel“ oder „Buch“ nicht abschalte. Außerdem hatten wir für die Kultur-Komplizen ungefähr zwei Wochen zuvor erst die Stellungnahme der #EntrepreneursForFuture (https://www.entrepreneurs4future.de/) unterzeichnet.


Ich gebe zu, dass ich nach den ersten Sätzen der E-Mail zuerst süffisant grinste:

„Liebe Frau Röcker,
das Thema Klimawandel ist mittlerweile in aller Munde. Aber was bedeutet Klimawandel eigentlich ganz konkret? Welche Auswirkungen hat er z. B. auf unsere Gesundheit und die Landwirtschaft, was kostet uns der Klimawandel und wie groß ist der Anteil des Menschen an der globalen Erwärmung?“

Ach echt, jetzt? Und das erzählt ihr mir? Mir, die sich in den letzten Jahrzehnten durch staubtrockene Textwüsten zu nachhaltigem Wirtschaften, durch langatmige Nachhaltigkeits- und hochpolierte CSR-Berichte sowie etliche bürokratisch angehauchte Fachpublikationen schlägt? Mir, der Pflanzenfresserin, die im Bio-Supermarkt dreimal so lange braucht wie andere, weil ich erst mal jedes Produkt umdrehe, um auf der Rückseite Inhaltsstoffe und Herkunft zu checken? Mir, die seit rund 7 Jahren kein eigenes Auto mehr hat und per Pedes, per Rad oder mit Öffis und Bahn unterwegs ist? Echt jetzt? Ich nahm schnell einen Schluck fairgehandelten Biokaffee aus der Bürotasse. Einatmen, ausatmen, Arroganz und Gutmenschentum beiseite lassen und weiterlesen:

„Vor knapp zwei Jahren haben ein Kommilitone und ich bemerkt, dass wir diese und viele weitere Fragen nicht beantworten konnten. Deshalb haben wir ein Buch gesucht, das in ganz kurzen Sätzen und mit vielen anschaulichen Grafiken die Ursachen und Folgen der globalen Erwärmung wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig leicht verständlich auf den Punkt bringt.“

Kleine Gase, große Wirkung - der KlimawandelHm, nun, damit hatten die Studis mal definitiv Recht – siehe oben. Ich hätte sicherlich weniger von meiner kostbaren Lebenszeit verbraten, wenn ich mich nicht durch verkopfte Endlossätze hätte hindurchlesen müssen. Gut, ich musste nicht, war ja freiwillig, weil es mich interessierte. Aber trotzdem, anders wäre schöner gewesen. Außerdem kann man sich das ganze Fachchinesisch ja nicht gut merken. Also, auch nicht gut.

„Da wir so ein Buch nicht finden konnten, haben wir kurzerhand beschlossen es selbst zu schreiben, wobei wir von über 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unterstützt wurden.“

„Holla, die Waldfee, jetzt wird’s interessant“, dachte ich, denn damit hängt die Latte verdammt hoch: kurze Sätze, viele Grafiken, wissenschaftlich fundiert.

„Von Anfang an war es unser Ziel so viele Menschen wie möglich über den Klimawandel zu informieren. Uns als Studenten war daher klar, dass sich jeder unser Buch leisten können muss und so haben wir einen Buchpreis von genau 5 € anvisiert – ab 100 Büchern sogar nur 3,75 €. Ein klassischer Verlag hätte bei diesem Preis niemals mitgemacht. Deshalb haben wir unseren eigenen Verlag geründet, um Aufgaben wie den Druck, Lektorat, Finanzierung, Lagerung, Versand usw. selbst zu organisieren.

„Ja, Himmelherrgott… etc.“, klar, da gründet man als Studi einfach mal so einen Verlag um alles selbst zu machen, statt sich Profis vom Fach dazu zu holen. An der Stelle kann ich nicht anders, als maximal zu sympathisieren, denn das ist Selbstorganisation in Reinform – #NewWork #NewCulture läßt grüßen. Respekt.

Aber Moment, einen Haken muss die Sache doch haben: Wieso wird da überhaupt ein Buch gedruckt, statt es digital zu verbreiten? Und wenn es gedruckt wird, dann lassen die beiden Verlagsgründer dieses Buch ja bestimmt nicht bei einer nachhaltigen Druckerei herstellen? Vermutlich drucken sie über einen der Billiganbieter auf frischem Papier und mit Erdölfarben, oder? Kann ja nicht anders sein. Ich frage per E-Mail nach, nur um zwei Minuten später festzustellen, dass ich in meiner eigenen Verpeiltheit, die mitgesendete Leseprobe noch nicht angesehen hatte.

Dort steht drin: Umschlag aus FSC®-Papier, Innenteil aus 100%-Recyclingpapier und Druckfarben in Cradle-to-Cradle® Standard. Wow!! Ich schicke eine E-Mail hinterher, dass sie meine zweite Frage erledigt hat. Ja, ja, ich weiß, E-Mail-Verschicken ist auch nicht nachhaltig, aber ich habe eine Mini-Entschuldigung: das Kultur-Komplizen Büro läuft mit Ökostrom.

So, genug der Selbstbeweihräucherung, David, einer der beiden Autoren antwortete mir ausführlich und verdammt schnell – noch am gleichen Tag – auf meine Fragen und holte mich damit vollends ins Boot. Weitere Fakten zum Buch: Der Titel lautet „Kleine Gase – Große Wirkung: Der Klimawandel“ und wurde von David Nelles und Christian Serrer verfasst, zwei BWL-Studenten der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen. 2017 haben sie sich auf den Weg gemacht und Bücher und Berichte zum Klimawandel gewälzt. Dann holten sie sich Hilfe von Wissenschaftler*innen, setzten sich hin, malten Bilder und verfassten Texte.

Edmund Möhrle Photographie - Nelles Serrer - KlimawandelSchlussendlich war ihnen klar, dass das Buch „nicht mehr als eine Pizza“ kosten darf, um eine breite Masse zu erreichen. Klar, ist – je billiger, desto mehr – in erster Linie ein klassisches BWL-Verständnis (Alternative BWL siehe z.B. Alanus in Bonn-Alfter oder Leuphana in Lübeck; evtl. hat die Zeppelin-Uni da Nachholbedarf?), aber grundsätzlich tut dies der wirklich guten Sache keinen Abbruch und der Lehrstoff der Uni ist sicherlich nicht den beiden Entrepreneuren anzulasten. Sicher dürfte sein, dass es sehr, sehr sinnvoll ist, sich das Buch zuzulegen – egal ob Privathaushalt, Schule oder Büro.

Die Erstauflage ist seit dem 04.12.2018 mit insgesamt 100.000 Büchern erschienen, von denen bereits 3/4 verkauft und über den Buchhandel zu beziehen sind – ich empfehle für den Onlinekauf gerne Buch7. Ein E-Book ist laut Aussage der Autoren geplant.

Inhaltlich ist das kleine Buch wirklich der Hammer bzw. Superfood. Die beiden Autoren und die beteiligten Wissenschaftler*innen haben nichts ausgelassen: Treibhauseffekte, Treibhausgase, Kreisläufe, Emissionen, Vulkane, Sonne, Wolken, Niederschläge, Zirkulation in den Ozeanen, Meeresspiegel, Erwärmung und Ozonschicht, Auswirkungen auf urbane und ländliche Räume, die Rolle des Menschen, Permafrost, die Pole und Klimageschichte. Und haben Wort gehalten – die Texte sind trotz der unglaublichen Komplexität kurz, klar und gut verständlich. Die begleitenden Grafiken ergänzen den Text perfekt.

Es ist allen Beteiligten gelungen, ein wirklich kompaktes umfassendes Infotainment-Paket zu packen, das leicht zugänglich für Viele ist, auch wenn man*frau sich erst wenig mit dem Thema Klimawandel beschäftigt hat. Haptisch ist es ebenfalls ein schönes, nachhaltiges Schmuckstück, das man gerne in die Hand nimmt und streicheln möchte, weil es sich so gut anfühlt. Auf meinem Schreibtisch hat es ab jetzt einen festen Platz und ich werde nicht müde, es jedem zu empfehlen, der*die nicht bei 3 auf den Bäumen ist. Und außerdem kommt es als 12. Buch in die Liste der New-Work-Bücher, die ich vor ein paar Wochen hier veröffentlicht hatte: https://priomy.de/11-buecher-die-in-keiner-new-work-bibliothek-fehlen-duerfen/

Mein Wunsch wäre, dass der Inhalt so schnell wie möglich in alle Lehrpläne aller Schulen aufgenommen wird und dass das E-Book bald fertig wird, so dass auch ein inklusiver und barrierefreier Zugang zum Inhalt möglich ist.

In diesem Sinne: Kauft dieses Buch, verschlingt den Inhalt, lernt und verschenkt es an andere! Und falls ihr Ideen habt, welche Personen und/oder Gruppen zum Thema Klimawandel vernetzt werden könnten, dann macht das doch bitte: Es gibt unglaublich viele tolle Leute, die sich mit wichtigen Fragen beschäftigen, sich untereinander aber nicht austauschen können, weil sie entweder nichts voneinander wissen und/oder ihre Bereiche noch nicht vernetzt sind, obwohl es Schnittstellen gibt.

Vernetzung ist aber zwingend notwendig, um Dinge größer werden zu lassen und handlungsstark zu werden. Gerade erst ist der Bericht des IPBES, des Welt-Biodiversitätsrates, veröffentlicht worden. Wäre doch sinnvoll, wenn sich Akteure zum Thema Biodiversität und Akteure zum Thema Klimawandel vernetzen und austauschen, oder? Dann noch ein paar #EntrepreneursForFuture und #NewWork Aktivisten mit an den Tisch und es könnte außerhalb der Politik noch viel mehr passieren.

Bis neulich,
Daniela

Mehr Infos zum Klimawandel-Wissen fürs Handgepäck:

https://www.klimawandel-buch.de/

In den Medien:

https://www.swrfernsehen.de/landesschau-bw
https://www.br.de/mediathek/video

Bildquellennachweis:
Headerfoto – pixabay, CC-0 Lizenz, gemeinfrei – bearbeitet
Coverfoto – Pressefotos auf klimawandel-buch.de
Profilfoto – Edmund-Möhrle-Photographie

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