Als uns diese Anfrage Anfang des Jahres ins Haus flatterte, freuten wir uns ganz besonders. Ralf Volkmer von der LeanBase lud uns zu seinem sonntag-vormittäglichen LeanTalkTV ein, um mit uns darüber zu sprechen, was es mit dieser „Neuen Arbeit“ auf sich hat und welche Rolle wir als Kultur-Komplizen dabei spielen. Diese Einladung nahmen wir natürlich sehr gerne an. Und so fuhren wir Ende Februar freudig gespannt in das Rhein-Neckar-Theater nach Mannheim und erlebten einen sehr kurzweiligen Sonntagvormittag. Kaum zu glauben, wie schnell eine Stunde vorbei sein kann, so geschwind, dass wir den Talk sogar etwas überziehen mussten. Die Zuschauer verziehen uns mit dem Hinweis, dass „ein Elstner“ bei LeanTalkTV immer drin sei.

Den kompletten Talk könnt Ihr Euch direkt hier oder auf der LeanBase anschauen. Unten lest Ihr eine kurze Zusammenfassung.

Warum Komplizen?

Zunächst sprachen wir mit Ralf Volkmer darüber, wie wir zu dem Namen Kultur-Komplizen kamen. Er wollte wissen, warum wir uns ausgerechnet eines Begriffes aus dem Strafgesetzbuch bedienen. Denn Komplizen sind laut StGB Helfershelfer und Mittäter bei einer Straftat. Und genau als das sehen wir uns tatsächlich. Natürlich nicht im Rahmen eines Verbrechens, aber als Helfershelfer, um in Organisationen Routinen aufzubrechen und neue Formen der Zusammenarbeit zu etablieren. Wie bei den im Strafgesetzbuch genannten Phasen einer Komplizenschaft ergibt sich im gemeinsamen Draufrumdenken eine Idee, dann legen wir gemeinsam ein – relativ kurzfristiges – Ziel fest, planen gemeinsam die Umsetzung und schreiten dann zur Tat. Und wie es sich für Komplizen gehört, sind in allen vier Phasen alle Beteiligten voll involviert, denn nur so werden alle zu vollwertigen Mittätern und tun was sie können, um das Ziel zu erreichen. Es geht nicht um ein gemeinsames Tschakka, sondern um die individuelle Motivation der einzelnen Komplizen.

Komplizen-Vision

Als nächstes sprach uns Ralf Volkmer auf unsere marktunübliche Vision an, die da lautet: „Ein auf Kooperation basierendes wirtschaftliches, ökosoziales System, in dem die Individuen in der Lage sind gleichberechtigt, selbstbestimmt und enkeltauglich zu agieren und zu gestalten.“ Ja, damit gehen wir über das hinaus, was die meisten unter einer Vision für ein Unternehmen verstehen. Wir tragen mit den Kultur-Komplizen unseren Teil dazu bei, dass sich ein wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Kulturwandel hin zu mehr ökosozialer Verantwortung weiter etablieren kann, um die Probleme unserer Zeit anzugehen. Die darin agierenden Personen und Unternehmen sollen, dürfen und müssen vielleicht sogar ökonomisch erfolgreich sein, aber eben nachhaltig.

Was die Komplizen machen

Die Frage, wie wir das machen, konnten wir in der Kürze der Zeit nicht erschöpfend beantworten. Daher gingen wir im Interview lediglich auf den ersten Satz unserer Mission ein, den Ralf Volkmer zitierte: „Wir machen in geschützten Räumen Stereotype und unbewusste Voreingenommenheiten sichtbar und erlebbar.“ Das ist auch in der Tat eine der wichtigsten Elemente unseres Tuns. Wir arbeiten mit Menschen und Gruppen in geschützten Räumen, in denen sie offen miteinander reden können, ohne Konsequenzen zu fürchten. Wir nennen das „Connective practice“. Unser Ziel ist dabei eine integrierte Kulturarbeit. D.h. wir arbeiten zunächst, wenn man so will, zum Warmwerden, an allgemeineren Themen, die die Menschen beschäftigen, gehen dann aber schnell über in konkrete Fragestellungen. Unser Ansinnen ist es schnell, sehr gezielt an Prozessen, Strukturen und vor allem an den Beziehungen der Menschen in den Organisationen zu arbeiten.

Neue Arbeitswelten

Im weiteren Gespräch unterhielten wir uns über die Änderungen in der Arbeitswelt. Wir waren uns recht einig, dass sich vieles ändert, dass immer mehr Menschen sich Gedanken, machen, wie sie wirklich arbeiten möchten, welchen Sinn ihre Arbeit hat und wie sie ihre Arbeit mit ihrem Leben verbinden. Dazu gibt es zahlreiche Untersuchungen, die das bestätigen. Oft werden diese Werte der „Generation Y“ zugeschrieben. Einmal davon abgesehen, dass ich solche Schubladen für Unfug halte, stellt sich immer mehr heraus, dass die sogenannte „Generation Y“ keine Alterskohorte ist, sondern eine Bewegung, die durch alle Altersstufen und Schichten dringt und sinngetrieben leben möchte. Diese Menschen möchten selbstbestimmter sein und übernehmen Verantwortung für die Auswirkungen, die ihre Arbeit und ihr Leben haben auf sich und andere haben.

Komplexität

Wer sich mit New Work, Organisationsentwicklung, Lean usw. beschäftigt stößt eher früher als später darauf, dass ja alles immer komplexer wird. Wir waren uns recht schnell darüber einig, dass das Leben schon immer komplex war und das dieser Begriff in letzter Zeit inflationär verwendet wird. Dabei ändern sich lediglich die Geschwindigkeit, mit der uns Informationen um die Ohren fliegen und die Sichtbarkeit der Wechselwirkungen, die sie auslösen. Hier wäre eine gewisse Gelassenheit hilfreich, nicht alles an sich heranzulassen, Informationen zu filtern und nicht auf jeden Post in allen Social-Media-Kanäle sofort zu reagieren. Komplexität war schon immer da und wird es immer geben, das ist nichts Neues und wir haben gelernt damit umzugehen – vielleicht ist es ja doch nicht so schlimm, wie es scheint.

Kooperation und Komplizenschaft statt Konkurrenz

Nicht zuletzt unterhielten wir uns darüber, warum Kooperation statt Konkurrenz die bessere Alternative im Zusammenleben und -arbeiten ist und welche Rolle die Komplizenschaft dabei spielt. Wir sprachen darüber, dass Kooperation im Menschen angelegt ist und es zwei Londoner Wissenschaftlern gelungen ist, mathematisch nachzuweisen, dass Kooperation zu einem höheren Lebensstandard führt als Konkurrenz. Andere Untersuchungen zeigen, dass Menschen in den ersten 6-7 Lebensjahren sehr stark miteinander kooperieren, dass aber diese Kooperationsbereitschaft sehr schnell verloren geht, wenn sie in das vergleichende, ausgrenzende Leistungssystem Schule kommen und dies in Studium und Beruf nicht besser wird.

Der Soziologe Richard Sennett zeigte, dass stabile soziale Beziehungen auf einem Dreieck aufbauen. Dieses „Soziale Dreieck“ besteht aus Vertrauen und wechselseitigem Respekt, verdienter Autorität sowie eben der Kooperation. Er sagt allerdings auch, dass es eine gewisse Zeit braucht, um dieses soziale Dreieck in einer Gruppe zu etablieren. Da diese Zeit heutzutage oft nicht zur Verfügung steht, kommt die Komplizenschaft ins Spiel. Denn wenn ich gemeinsam einen Entschluss fasse, etwas miteinander zu machen, gemeinsam ein Ziel aushandle, und zusammen plane wie dieses Ziel erreicht werden soll, dann ist auch eine kurzfristige Beziehung so belastbar, dass es sehr leicht fällt, gemeinsam zur Tat zu schreiten und den Plan in die Tat umzusetzen.

LATC – LeanAroundTheClock

Und wir sprachen natürlich noch darüber, dass wir bei der LeanAroundTheClock als Aussteller und Themenboxer vor Ort sind! Mehr Infos dazu findet Ihr unter: https://priomy.events/latc/

Vielen Dank an Ralf Volkmer und Angela Fuhr für das tolle Gespräch!

Mit besten Grüßen
Stefan

 

Share This
X