Wir sind dann mal weg, denn wir streiken! Beim Klimastreik am 20.09.2019 gemeinsam mit #EntrepreneursForFuture in Stuttgart.

Ich weiß gar nicht, ob es Euch schon aufgefallen ist, aber wir sind dämlich. Wir, also wir alle, ich, Du, er, sie, mit Gendersternchen und ohne. Wir, die wir uns in den sogenannten Industrienationen beheimatet fühlen. Trotz 10 Jahre Schulpflicht. Trotz Studium oder Promotion. Trotz Aus-, Fort- und Weiterbildungen. Trotz Karriere hoch oder runter. Hat bisher alles nix genutzt. Denn Umwelt- und Klimabildung steht weder in Lehrplänen noch in Arbeitsverträgen. 8 Jahre und 4 Monate reicht unser CO2-Budget aus, um das 1,5 °C Ziel zu erreichen. Wäre dies ein Unternehmensziel, würde sich das Controlling just in diesem Moment vor Schmerzen auf dem Boden winden, denn wir steuern eher Richtung 4°C.

Dämlich sind wir, denn der Begriff „dämlich“ führt zurück in die indoeuropäische Sprachwurzel für „geistig betäubt, benommen“ und hat die gleiche Wortwurzel wie „Dämmerung“. Dämmerung bedeutet: „Halbdunkel kurz nach Untergang oder vor Aufgang der Sonne“ (lt. Duden online). Metaphorisch betrachtet könnte das heißen, dass wir in einer Art geistigem Zwischenstadium sind und das ist eigentlich gut, denn Zwischenstadium bedeutet, dass man etwas Altes verläßt und in etwas Neues aufbricht.

Über Speckgürtel und Wohnzimmer

Lange Rede, kurzer Sinn: Ja, wir sind in diesem Zwischenstadium, denn wir merken gerade, dass die Hütte brennt, also der Planet, das Wohnzimmer, in dem wir es uns so gerne bequem machen und mit unseren Hinterlassenschaften vermüllen. Bisher haben das schummrige Licht der Leselampe und die gemütliche Couch uns zufrieden, faul und träge gemacht. Doch jetzt pieksen uns von unten die Couchfedern in den Allerwertesten und jemand hält uns den LED-beleuchteten Spiegel vor und der zeigt uns, dass sich da ein veritabler Speckgürtel um die eigene Körpermitte gebildet. Noch fällt uns das Bewegen schwer.

Diesen Spiegel hält uns seit ca. rund 1 Jahr die Bewegung #FridaysForFuture vor – Jugendliche, die freitags lieber fürs Klima und damit für ihre Zukunft auf die Straße gehen statt in die Schule.

“Why should I be studying for a future that soon may be no more, when no one is doing anything to save that future?” (Greta Thunberg, Klimaaktivistin)

 

Übers Anthropozän und Käsefüße

Gute Frage, denn insbesondere mit unserer Art des Wirtschaftens (d.h. privater Konsum und wirtschaftliche Produktion) haben wir dem Planeten Erde einen so tiefen Fußabdruck eingedrückt, dass man mitunter vom „Anthropozän“ spricht und diese Bezeichnung ist nicht unbedingt als Kompliment zu verstehen. Dieser Fußabdruck ist sowohl in der Erdkruste selbst zu sehen als auch in der Atmosphäre zu merken, man könnte auch sagen: Das Anthropozän ist der Abdruck eines müffelnden Käsefußes.

Klimastreik mit #EntrepreneursForFuture

1. Vernetzungstreffen E4F Stuttgart, 06.09.2019, GLS Bank – Foto: Manuel Uez, Agentur Blumberg

Jetzt kann man natürlich der Meinung sein, dass Käsefüße und Speckgürtel sowohl die eigene Identität als auch die Kultur von Unternehmen ausmachen. Wenn beides jedoch für Lebensräume, die uns das Überleben ermöglichen, zu Problemen führt, dann ist Veränderung angesagt. Erst recht, wenn einen die eigenen Kinder darauf hinweisen. Wir haben lange genug Augen und Ohren vor wissenschaftlichen Ergebnissen verschlossen, die längst die ökonomischen Auswirkungen des Klimawandels adressierten. Damit viele weitere Menschen erfahren, dass diese Veränderung jetzt stärker werden muss, streiken wir am Freitag, 20. September 2019 mit #EntrepreneursForFuture in Stuttgart.

Warum am 20. September?

Für Streiks ist es immer gut, wenn sie mit wichtigen anderen Terminen zusammenfallen, denn dies erhöht die Sichtbarkeit und führt im Idealfall zu stärkerer Sensibilisierung und entsprechendem Handeln. #FridaysForFuture hat den 20.09.2019 zum globalen Klimastreiktag ausgerufen. Gleichzeitig tagt am 20.09. der Kabinettausschuss „Klimaschutz“ (kurz: Klimakabinett), der Umsetzungsmöglichkeiten für die deutschen Klimaziele 2030 verhandelt. International ist der 20.09. der Auftakt zum Climate Action Summit der Vereinten Nationen in New York.

Was heißt „streiken“ für die Kultur-Komplizen?

Wir sind kein Produktionsbetrieb, sondern Freiberufler (davon gibt es in Deutschland rund 1,4 Mio.), d.h. wir können keine Produktion stillstehen lassen, um CO2 einzusparen. Aber wir schließen unser Büro am 20.09. – das heißt:

  • kein betrieblicher Strom-, Wasser- und Heizungsverbrauch,
  • kein betrieblicher Abfall,
  • kein Büromaterialverbrauch,
  • kein betrieblicher Internet-Traffic,
  • kein betrieblicher Mobilfunk-Traffic,
  • keine Geschäftsreisen

an diesem Tag.

Es bedeutet – rein betriebswirtschaftlich betrachtet – aber auch, dass wir ein finanzielles Risiko eingehen: Freiberufler haben üblicherweise ein unregelmäßiges Einkommen und nur eine kurz- bis mittelfristige Planungssicherheit was das Auftragsaufkommen angeht. Das heißt, wenn wir uns entscheiden, den Laden für einen Tag dicht zu machen, wird an diesem Tag kein Einkommen erzielt, was möglicherweise im weiteren Verlauf des Jahres problematisch werden kann. Weiterhin ist Akquise eine zentrale und wichtige Aufgabe, um Aufträge zu erhalten. D.h. auch Akquise findet an diesem Tag nicht statt. Unser Steuerberater würde uns demnach raten, NICHT zu streiken.

Der Streik bedeutet weiterhin, dass wir mit einem kleinen Widerspruch umgehen müssen: In unserer täglichen Arbeit vermitteln wir anderen Unternehmen und Organisationen, dass es sowohl sinnvoll ist, selbstbestimmt zu arbeiten, als auch verantwortungsvoll zu wirtschaften. Wir verbinden die Themen Nachhaltigkeit und New Work/Neues Arbeiten. Diese Arbeit lieben wir, denn Menschen lernen von uns und wir von ihnen. Das heißt wiederum, dass sie selbst wirksam werden können. Unser Streiken heißt also auch: Kein Kunde wird an diesem Tag von unseren Impulsen profitieren können.

Ihr seht, dass die Entscheidung für das „Ja“ zum Mitstreiken keine leichte Entscheidung ist. Aber wir haben sie aus vollster Überzeugung getroffen, weil wir das sinnvolle Ganze sehen: die Solidarität mit Vielen, um gut vernetzt ins Handeln zu kommen, weil wir uns von ganzem Herzen eine andere Art des Wirtschaftens wünschen und unsere Kraft dafür einsetzen wollen.

In Stuttgart wird es eine Sterndemo geben, d.h. es gibt verschiedene Startpunkte (Kernerplatz, Hölderlinplatz, Erwin-Schöttle-Platz) – informiert Euch hier: https://fridaysforfuture.de/allefuersklima/

Also, macht ihr mit? Dann sehen wir uns am 20.09.2019 hier:

 

11.30 Uhr, Kernerplatz, 70182 Stuttgart (Treffpunkt für #EntrepreneursForFuture)

 

Falls ihr nicht in den Kessel wollt, dann wäre auch Gerlingen eine Alternative – dort wird gemeinsam gestreikt mit Akteuren der GWÖ, der Mitmachzentrale, Stadtmobil und Foodsharing. In Esslingen findet ebenfalls eine Demo statt, danach geht’s gemeinsam per Fahrrad in den Kessel.

#EntrepreneursForFuture haben insgesamt 8 Forderungen aufgesetzt, zu denen Unternehmen sich bekennen und mit ihrer Stellungnahme unterstützen können: https://www.entrepreneurs4future.de/stellungnahme.

Die GLS-Bank hat speziell für den Streiktag die Kampagne „Nicht mein Erbe“ gestartet, bei der Unternehmen, die am 20.09. streiken wollen, sich zur Unterstützung der Demo aussprechen können: https://klima-streik.net/ .

Weitere Streiks in Eurer Nähe findet ihr sowohl beim Bündnis www.klima-streik.org als auch auf der FFF-Website https://fridaysforfuture.de/allefuersklima/.

Und wenn ihr klein, fein und kurz alles Wichtige über den Klimawandel erfahren wollt, dann legt Euch das Buch „Kleine Gase – Große Wirkung: Der Klimawandel“ von David Nelles und Christian Serrer zu. Ich hab‘ dazu schon mal gebloggt, Details findet ihr hier: Klimawandel – ein studentisches Buchprojekt

In diesem Sinne: Zusammen mit #FridaysForFuture auf die Straßen und Let’s get loud!

#AlleFürsKlima
#Klimastreik

Bis zum 20.09., ich bzw. wir, die Kultur-Komplizen, freuen uns auf Euch!
Daniela

 

Bildquellennachweis: Headerbild (c) Kultur-Komplizen

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